Wachsen geschieht nicht durch Druck.
Es geschieht durch Erinnerung.
Warum wir glauben, dass Veränderung Anstrengung braucht.
Seit der Veröffentlichung meines Manifestes beschäftigt mich eine Frage.
Warum glauben wir eigentlich, dass alles, was wachsen soll, ständig gepusht werden muss? Es fühlt sich an, wie eine unglaublich alte Mär, die uns von Generation zu Generation weitergegeben wurde, ohne jemals hinterfragt zu werden.
Wenn du deinen Fußabdruck in dieser Welt hinterlassen möchtest – nicht aus Ego oder aus Wichtigtuerei – sondern, weil es einem tiefen inneren Ruf entspringt, meldet sich sofort eine vertraute Stimme:
Jetzt musst du loslegen.
Jetzt musst du sichtbar werden.
Jetzt musst du handeln.
Du musst noch mehr machen.
Deine Tage sind zu kurz.
Deine Träume werden nur Wirklichkeit, wenn du noch mehr tust.
Das gilt nicht nur für Projekte, für Unternehmen,
sondern auch für uns selbst … für dich selbst.
Du wirst gerufen, dich noch höher zu performen.
Du musst dich noch mehr optimieren.
Du musst noch mehr an dir arbeiten.
Unsere Kultur hat uns gelehrt,
dass Druck Wachstum erzeugt
Wir leben in einer Gesellschaftsform, die an Druck glaubt. Eine Gesellschaft, die davon überzeugt ist, dass Fleiß, hartes Arbeiten, permanente Anstrengung alleine zum Erfolg führen mag. Eine durchaus gängige Ansicht in dieser patriarchalisch geprägten Gesellschaft.
Wer kennt nicht diese Aussagen:
- Wer erfolgreich sein will, muss kämpfen.
- Wer sich verändern will, muss an sich arbeiten.
- Wer heilen will, muss alles aufarbeiten.
- Wer sichtbar sein will, muss ständig präsent sein.
- Zuerst die Arbeit, dann das Spiel.
Wir haben diese Glaubenssätze so tief verinnerlicht, dass wir uns keine andere Form des Wachstums mehr vorstellen können.
Die Natur erzählt eine andere Geschichte.
Keine Blume wird größer,
weil man an ihren Blättern zieht.
Kein Baum wächst schneller,
weil man ihn antreibt.
Eine Schwangerschaft dauert,
solange sie dauert.
Ein Kind entwickelt sich
nicht durch Druck,
sondern durch Beziehung,
Nahrung,
Zeit,
Rhythmus.
Und da wir selbst Teil der Natur sind, gelten ihre Gesetzmäßigkeiten auch für uns. Auch für das, was wir in unserem Innersten erschaffen.
Nach der Veröffentlichung meines Manifests, wurde mir so sehr bewusst, wie verdreht unsere Welt ist. Ich habe einige Tage benötigt, mich wieder zu erholen von dieser „Geburt“. Es durfte einfach auf dieser Welt ankommen, behütet, beschützt, noch ganz jungfräulich. Und auch ich durfte mich in diese Gefühle hinein entspannen.
Und ganz allmählich wuchs etwas in mir heran, dass niemand mir mehr wegnehmen kann. Eine tiefe, unverrückbare Verbindung zu meiner Vision und dem Weg, auf dem sie Wirklichkeit werden möchte.
Mit diesem Raum, der sich öffnet, verschwindet auch der Druck, alles richtig machen zu müssen. Fehler verlieren ihren Schrecken. Herausforderungen werden zu Einladungen, tiefer zu wachsen.
Ich brauche niemand anders zu werden.
Ich muss mich nicht optimieren.
Ich muss mich nicht neu erfinden.
Ich muss mich nicht beweisen.
Der Weg ist genau das freizulegen, was längst in uns wohnt.
Die alten Muster, die uns irgendwann geschützt und gedient haben, zu befreien – sie loszulassen.
Die versteckten Glaubenssätze in Frieden zu umarmen, damit sie sich in das verwandeln, was unserer Seele wirklich dient.
Ich muss nicht höher werden.
Ich muss nicht besser werden.
Ich darf tiefer werden.
Ich darf mich erinnern.
Erinnern,
indem ich eintauche
in diese versteckten und verbotenen Winkel
meines Seins.
Erinnerung.
Ein starkes Wort.
Und für viele zunächst eines, das mit Schmerz und Trauer verbunden ist.
Wie es das Wort schon andeutet, führt es uns nach „innen“. Es richtet den Blick nicht nach Außen, im Wissen, in der Verbesserung, sondern führt uns Schritt für Schritt, Schicht für Schicht nach innen.
Erinnerung lädt uns ein,
all die Mäntel und Masken, die uns einst gedient haben, loszulassen. Tiefer zu tauchen in dieses Sein, das ganz uns selbst gehört. Hin zu dem Teil unseres Seins, den wir wie unseren Augapfel gehütet, verborgen und beschützt haben.
Erinnerung ruft uns auf,
tiefer einzutauchen,
bis das wieder sichtbar wird,
was immer da war.
Dieser Weg nach innen führt manchmal über Dornen und Stolpersteine. Ganz einfach deshalb, weil unsere alten Schutzmechanismen noch wirken und meinen uns beschützen zu müssen.
Letztendlich ist Erinnerung wie eine Muschel.
Von außen wirkt sie unscheinbar.
Doch wenn sie sich öffnet,
zeigt sie uns ihre kostbarste Perle:
unser wahres Sein.
Veränderung beginnt nicht dort,
wo wir versuchen,
jemand anderes zu werden.
Veränderung beginnt dort,
wo wir uns erinnern,
wer wir in Wahrheit sind.
Es braucht den Weg des Erinnerns.
Angelika Michels
Juli 2026
Wenn dich diese Gedanken berühren und du die nächsten Impulse begleiten möchtest, dann lade ich dich herzlichst ein, dich mit mir zu verbinden.