Sprache als Erinnerungsträger

In meiner Fastenzeit ist mir Skalde begegnet.

Jene Figur, die mich daran erinnert hat, was Sprache einst war.


Nicht bloß ein Mittel zur Informationsübertragung.
Nicht nur Erklärung.
Nicht nur Analyse.


Sondern Erinnerung.


Wir benutzen Sprache heute oft funktional.
Um zu erklären. Zu ordnen. Zu argumentieren. Zu überzeugen.

Und ja — Sprache kann all das.


Doch Sprache kann mehr.


Ein Wort kann etwas in uns öffnen, das wir längst vergessen glaubten.

Ein Satz kann uns berühren, ohne dass wir sofort erklären könnten, warum.

Ein Bild, ein Mythos, ein Gedanke kann in uns ein stilles „Ja“ hervorrufen.

Nicht weil wir etwas verstanden haben.

Sondern weil etwas in uns sich erinnert.

 

Du kannst diesen Text jetzt hier rein verstandesmäßig lesen und dir die Informationen abspeichern, um sie irgendwann wieder hervorzuholen und zu gebrauchen. Das wäre der funktionale Weg die Sprache zu gebrauchen.

 

Wir bewegen uns dann auf einer eher formellen Ebene, die wenig Resonanz in uns erzeugt. Dann bleibt Sprache an der Oberfläche.

 

Es bleibt ein Informationsaustausch, der auf einer Ebene interessant sein kann, aber nicht unbedingt viel Selbstreflektion bringen wird. 

 

Warum nutzen wir Sprache nicht bewusster?

Wenn wir davon ausgehen, dass uns vieles von dem, was uns prägt, nicht unmittelbar bewusst zugänglich ist, ist dürfen wir uns die Frage stellen, warum wir Menschen die Sprache nicht bewusster nutzen. 

 

Wir könnten unsere Ratio benutzen, um unsere archaischen, unbewussten Anteilen näher kennenzulernen. Diese Anteile, die persönliche Erfahrungen sowie Erfahrungen des kollektiven Systems beinhaltet. 
 
Wenn wir diesen Schritt bewusster gehen würden, würden wir die Sprache als Resonanzfeld berühren. 

Wenn du diesen Text jetzt hier liest, wie reagierst du darauf? Welche Impulse sendet dir dein Körper? Wo triggert es dich? Wo kommt ein großes Ahhh! in dir hervor? 
Hier geht es nicht mehr darum, Wissen und Informationen zu vermitteln, sondern dich mit deiner Stimme, deinem großen unbewussten Raum in dir in Verbindung zu bringen.

Dann können sich vergessene Anteile erinnern. 

 

Dann öffnet sich ein Raum des tieferen Verständnisses für dich und dein Umfeld, du näherst dich deiner Weisheit ~ deiner Wahrhaftigkeit ein Stück mehr. 

 

Indem wir Sprache zunehmend auf Rationalität, Erklärung und Funktion reduziert haben, haben wir den Zugang zu dieser tieferen Ebene in uns ein Stück weit vergessen.

 

Und genau dorthin gilt es, unsere Aufmerksamkeit fließen zu lassen, wenn wir den Weg wieder zu uns zurückfinden möchten. 

Nicht nur diesen Weg in das leistungsorientierte Verstehen, Funktionieren und Machen. 

Nein, den Weg in unsere Ganzheit zurück - den Weg zu diesen Anteilen, die wir irgendwo in uns spüren, die wir sehnlichst zurückwünschen, deren Abwesenheit uns fragen lässt: War es das? 

 

Sprache ist ein kulturelles Instrument, das unser Sein beeinflusst. Mehr noch als beeinflusst, Sprache formt unser Dasein. 

 

Erlauben wir uns deshalb, die Sprache nicht nur als Vehikel der reinen Informationsvermittlung zu sehen, sondern sie wieder in ihrer Ganzheit zu gebrauchen. 

 

Als ein Resonanzfeld, das uns nicht nur informiert, sondern erinnert.

Angelika Michels
Mai 2026

 
In den kommenden Tagen möchte ich diesen Gedanken weiter entfalten — und der Frage nachgehen, wie Sprache uns nicht nur verbindet, sondern auch von uns selbst trennen kann. 

Wenn dich diese Gedanken berühren und du die nächsten Impulse begleiten möchtest, dann lade ich dich herzlichst ein, dich mit mir zu verbinden.